Restauration eines 14er Filarmonica

Ich kam sehr günstig zu einem 14er Filarmonica.

Ich habe mir über den Titel dieses Beitrags, genauer den Begriff „Restauration“ Gedanken gemacht. Per Definition jedoch kann ich das so stehen lassen. Wikipedia meint dazu folgendes:

„Nach der Definition des internationalen Museumsverbands ICOM beschreibt der Begriff Restaurierung alle Handlungen, die die Wahrnehmung, Wertschätzung und das Verständnis für das Objekt fördern. Diese Maßnahmen werden nur dann ausgeführt, wenn ein Objekt durch vergangene Veränderungen oder Zerstörung Teile seiner Bedeutung oder Funktion verloren hat. Es gelten dabei die Grundsätze des Respekts für das Original und seine Geschichte sowie der Reversibilität“.

Bereits auf den Bildern, nach denen ich es gekauft hatte, war zu sehen, dass es einiges an Spuren eines langen Lebens trägt. Auch zu erahnen war, dass die Klinge keinen Verschliff aufweist.

Als es ankam, war es tatsächlich in gutem Zustand, bedurfte jedoch der Zuwendung.

Da ich ein heikler Typ bin, muss ich die Klingen stets entnieten um die Schalen ordentlich zu reinigen.
Zudem wackelte die Klinge in den Schalen. Sie hatte Spiel nach vorne und hinten. Aus Erfahrung wusste ich auch, warum das so ist. Die Klinge sass auch nicht fest in den Schalen, das bedeutet, sie klappte zu, wenn das Messer geöffnet war. Das ist nicht gewollt und auch gefährlich. Eine richtige Entscheidung, die Klinge den Schalen zu entnehmen.

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Der Erlniet wurde mit der Schlüsselfeile angefeilt und der Stift danach mittels Körner und Hammer ausgeschlagen.

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So sieht das von der anderen Seite her aus.

 

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Der Niet wurde vorsichtig entfernt. Das bedingt viel Sorgfalt, damit die kostbaren Schalen mit der Lyra nicht beschädigt werden.

 

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Die Schalen wandern in ein Bad aus warmen Wasser und Seifenlauge.

 

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In der Zwischenzeit ist sichtbar, dass die Klinge Rost angesetzt hat und auch der Schmodder der Jahre muss entfernt werden. Gut dass ich die Klinge aus den Schalen genommen habe. Auch gut zu erkennen, dass wiederum die Erlbohrung viel zu gross für den Niet ist. Daher wackelte die Klinge in den Schalen.

 

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Mit Nassschleifpapier (600, 1000, 2000, 3000) wurde die Klinge oberflächlich vom Rost befreit und nur soviel mit dem 3000er poliert, dass das Gesamtbild erhalten blieb.

 

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Die Schalen wurden ebenfalls mit dem Schleifpapier innen vom Rost befreit. So sah das Messer nach dem Reinigungsprozess aus.

 

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So wie ich das bereits oft gemacht habe, wurde ein Messingröhrchen auf die Breite der Klinge abgelängt und die Schnittkanten wurden fein geschliffen. Der herkömmliche Neusilberniet passt perkfekt durch das Röhrchen hindurch.

 

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Der erwünschte Effekt ist, dass die Nietbohrung stärker ausgefüllt wird und so die Klinge fest in den Schalen sitzt, nachdem vernietet wurde. Ebenfalls kann sich der Niet beim vernieten nicht innerhalb der Bohrung krümmen, was ebenfalls zu einem unerwünschten Ergebnis führt.

 

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Der Niet sitzt in der Bohrung, die alte Rosette konnte erhalten werden.

 

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Die Klinge wird am vordersten Ende mittels Klebband oder, wie ich es tue, mit einem Gummiband fest in die Schalen „gepresst“. Das hat den Vorteil, dass die Klinge von alleine mittig in den Schalen sitzt und sich beim Nietvorgang nicht seitwärts bewegen kann.

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Vom Vernieten gibt es von mir wie gewohnt keine Bilder. Das ist eine Arbeit, die muss zügig und in einem Arbeitsschritt vonstatten gehen. Da muss ich mich konzentrieren, damit ich nicht die Schalen beschädige oder sonstwie das Messer ruiniere. Mit ein paar gezielten Schlägen, es waren keine zehn, sass die Klinge genau richtig in den sauberen Schalen.

 

 

Danach wurde das Messer über die Steine geschoben. Ich klebte dazu den Rücken mit zwei Lagen Tape ab und machte ein paar kurze Schübe auf dem Tausender Naniwa Super Stone. Die Klinge ist absolut gerade und nachdem ich auf der gegenüberliegenden Seite einen schwachen Bart spürte, schärfte ich auf der anderen Seite bis genau zum selben Punkt. Danach waren 40 Wechselschübe notwendig, bevor ich auf den nächst feineren Stein gehen konnte. Die Klinge rasierte die Haare vom Unterarm sehr anständig.

Zuvor wurde der Grat durch Hartholz gezogen, damit der verbliebene Bart sich vom Grat lösen konnte.

Danach wurden mit je 10 Schüben pro Seite auf jedem Stein der 3000er, der 5000er und der 10’000er bedient. Zwischendurch wurde immer mit der Schweizer Lupe (15x) begutachtet, wie sich die Schneide verhält. Es war eine Pracht zuzusehen, wie die Facette immer spiegelnder wurde.

Zum Schluss auf jeder Seite 7 Schübe auf Koraats schwarzem Schiefer und weiter auf die Baumwolle und das Leder. Nach je 40 Zügen pro Klingenseite konnte die Rasur beginnen. Es war eine Offenbarung. Diese Klinge ist extrem sanft. Sie ist aber auch papierdünn ausgeschliffen.

Kein Wunder zahlt man für diese Klingen horrende Preise.

 

 

2 Kommentare zu “Restauration eines 14er Filarmonica

  1. Mathias sagt:

    Sehr schöne Arbeit,
    ich würde das Messingröhrchen allerdings beim nächsten Mal weglassen, da der größere Lochdurchmesser am Erl so gewollt ist. Ich habe mich umfassend mit diesem Thema beschäftigt (restauriere selber). Der Nied soll sich durch die Stauchung mit dem Kugelhammer krümmen und so die Klinge fixieren. Es klappert und wackelt danach auch nichts. Ich würde empfehlen, so wenig wie möglich am Original zu verändern. Erst Recht, wenn es nicht nötig ist.

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