Blutt Rasierhobel

Blutt Rasierhobel

Blutt! Erst dachte ich, ist das ein Witz, aber nein, den jungen Leuten ist das ernst. Vielleicht muss ich rasch erklären, dass blutt auf Schweizerdeutsch nackig bedeutet.

Aber wie auch immer. Ich habe diesen Rasierhobel als Prototyp zum Testen erhalten. Der Rasierer kam bei mir mit drei verschieden aggressiven Grundplatten an, von Hand liebevoll mit Punkten gekennzeichnet.

Gemäss dem jungen Mann, mit dem ich Kontakt hatte und der hinter dem Blutt Rasierhobel steht, soll die Klingenspalte bei Mild 0,69mm, bei Mittel 0,84mm und bei Aggressiv 0,99mm betragen. Der Klingenüberhang sei bei Mild neutral, bei Mittel leicht positiv und bei Aggressiv positiv.

Wer hier schon länger mitliest oder sich schon länger richtig rasiert, der wird mir folgen können. Klingen haben ebenfalls eine kleine Fertigungstoleranz und somit kann das Mass des Klingenüberhangs nie ganz klar und für jede Klinge eindeutig bestimmt werden.

Der Entscheid, den Rasierer mit drei verschiedenen Grundplatten anzubieten geht zurück auf den Wunsch, die Bandbreite von täglicher Rasur, Rasur alle 2-3 Tage oder eben erst alle 4-7 Tage abzudecken. Also die Suche nach der Eier legenden Wollmilchsau, wie ich gerne sage. Aber im Grundsatz ist es für die Leute hinter Blutt die Suche nach dem Optimum. Gillette hatte sich ab den 60er Jahren auch mit der Entwicklung der Adjustables diesem Thema gewidmet. Einer für alle und alles.

Auf dieser Suche nach der optimalen Rasur haben sie sich nachdem sie Messing versucht hatten, schon einmal für hochwertigen Stahl entschieden. Auch gefällt mir das Design, ich finde es sehr ansprechend. Vielen von euch mag diese Technische Anmutung vielleicht nicht gefallen, mir jedoch schon und der matte Schimmer von gebürstetem oder unpoliertem Edelstahl ist einfach edel.

Es fällt gleich beim ersten Anfassen auf, dass sich die Leute hier sehr viel Mühe gegeben haben. Der Hobel ist qualitativ sehr hochwertig gefertigt. Alles ist glatt und genau so, wie ich es von einem Werkzeug aus Schweizer Herstellung erwarte.

Der Rasierhobel liegt ausgewogen in der Hand, er ist gar nicht glatt und auch mit nassen oder seifigen Händen, lässt er sich leicht handhaben. Die Rändelung ist nicht nur schön gemacht, sondern erfüllt ihren Zweck. Die Rasurleistungen sind mit verschiedenen Klingen, Seifen, mit oder ohne PreShave-Anwendung durchwegs gut bis sehr gut.
Die Aggressive Grundplatte ist mir, mit gewissen Klingen, im Allgemeinen zu aggressiv. Jedoch ist sie nicht mit einem R41 vergleichbar, liegt also deutlich unterhalb der Selbstverletzungsschwelle, für diejenigen, die einen Referenzwert benötigen.
Mit der Mittleren und der Milden (oben auf dem Bild mit einem Punkt) hatte ich sehr gute Erfahrungen gemacht. Die milde Grundplatte rasiert ein Gesicht mit einem Mehrtagebart in drei Durchgängen mit ein wenig Ausputzen BBS (Baby Butt Smooth). Das Hautgefühl nach der Rasur ist wirklich erwähnenswert. Ich fühlte mich wie neu geboren.


Hier noch die Testrasuren für euch.

  1. Rasur: Milde Platte, neue Wilkinson Stainless, PreShave und heisses Tuch, Rasierseife Rose&Potter, mit und gegen, dann Platte gewechselt auf die Mittlere und quer zum Bartstrich fertig rasiert.
  2. Rasur: Mittlere Platte, Wilkinson Stainless 2., ohne PreShave, nur heisses Tuch, Rasierseife PPF (Petal Pusher Fancies) Coconut, mit-gegen-quer.
  3. Rasur: Aggressive Platte, neue Derby Premium,  ohne PreShave, nur heisses Tuch, Rasiercreme Nivea, mit-gegen-quer, am Kinn Blutpunkt, wahrscheinlich über einen kleinen Pickel drübergerauscht.
  4. Rasur: Aggressive Platte, neue Rapira, PreShave und heisses Tuch, Rasierseife GFT (Geo.F. Trumper) Eucris, mit-gegen und Platte gewechselt gegen die mittlere Platte und quer fertig rasiert. Fazit: mir ist sie allgemein zu aggressiv.

  5. Rasur heute: Milde Platte, neue Gillette Bleue Extra, kein PreShave nur heisses Tuch, Rasiercreme Penhaligons Blenheim Bouquet, mit-gegen-quer,
    top Rasur, keine Blutpunkte, sehr sanft mit der GBE und nach drei Durchgängen mit etwas Ausputzen Baby Butt Smooth.

Die Leute hinter Blutt Rasierhobel haben auch bereits Rasierpinsel und Rasierseifen gefertigt, mit dem Ziel das gesamte Sortiment, auch Accessoires und möglichst viel Swiss- und Handmade anzubieten.

Da bin ich gespannt, wie das weiter geht und vor allem, was der Preis eines solchen Hobels aus Schweizer Fertigung ist.

Sobald die Prototypphase abgeschlossen ist und sie zufrieden mit dem Hobel sind, wird es eine Croudfunding Aktion auf dem Portal Wemakeit geben. Der Hobel kann dann daüber günstiger bezogen werden. Ich werde dran bleiben.

Abschliessend hier noch der Link zur bluttrasur.ch.

Und ganz zum Abschluss, vielen herzlichen Dank an dieser Stelle an Pascal, der hinter bluttrasur steht und Simon, der mich darauf aufmerksam gemacht hat.

Vielleicht müsste ich jetzt noch sagen, dass ich weder Geld noch andere geldwerte Leistungen für meinen Bericht erhalten habe oder erhalten werde. Dieser Bericht spiegelt meine eigenen Eindrücke wieder und ist so wiedergegeben, wie ich es empfinde. Die Welt wird immer komplizierter ;o)