Rasierpinsel – Einleitung

Der Rasierpinsel ist kein Pinsel wie jeder andere. Man verwendet ihn nicht zum Anstreichen von Wänden und i.d.R. auch nicht zum Malen auf Leinwand. Der Rasierpinsel wird zum Schaumschlagen verwendet und damit ist das Aufschlagen von Rasierseife oder Rasiercreme zu Rasierschaum gemeint.

Der Rasierpinsel ist auch ein Kunst-, Kult- und wertvolles Liebhaberobjekt. Er besteht aus einem Griffstück und einem Besatz aus Haaren.

Bei den Griffformen und -materialien sind der Phantasie keine Grenzen gesetzt. Klassische Formen sind Milchkanne und Bienenkorb, um nur zwei aussergewöhnliche zu nennen. Griffe von Rasierpinseln bestehen zumeist aus Holz, wobei teilweise sehr wertvolle oder seltene Hölzer zum Einsatz kommen. Ebenfalls sehr beliebt sind Griffe aus Horn oder auch Knochen und hochwertige Kunstharze.
In Jahren, in denen der Artenschutz noch nicht so gross geschrieben wurde, wurde ebenfalls gerne Elfenbein für die Griffherstellung genommen. Ich bin der Meinung, auch wenn man zu einem Rasierpinsel mit Elfenbeingriff eine CITES-Erklärung erhält, sollte man dennoch davon Abstand nehmen. Es gibt genügend Kunstharzgriffe, die Elfenbein imitieren und andere sehr wertige Materialien.

Haar – genau das, was einen guten Rasierpinsel ausmacht. Der Haarbesatz eines Rasierpinsels ist hauptsächlich vom Dachs. Es werden jedoch auch Pinsel mit Schweineborste verwendet. Ich verwende auch gerne einen Rasierpinsel mit Pferdehaarbesatz (50% Mähne / 50% Schweif). Daneben fristen vegane Rasierpinsel mit Besatz aus Kunststoff ein Nischendasein. Dennoch hat eine namhafte Firma in Deutschland eine sehr gute Synthetikfaser für ihre Rasierpinsel patentiert, die sich zunehmender Beliebtheit erfreut.

Es gibt ganz rudimentär erklärt 4 Dachshaarqualitäten
(Bezeichnungen in Englischer Sprache)

  1. Silberspitz Dachszupf, handverlesene Silberspitze oder Super Badger / Finest Badger (höchste Qualität)
  2. Silberspitze oder Silvertip (Haare mit hoher Qualität vom Rücken des Tiers mit weissen Spitzen)
  3. Rückenzupf (Rein Dachs) oder Pure Badger
  4. Graudachs (Stock) oder Black Badger

Im englischen Sprachgebrauch gibt es zum Teil widersprüchliche Bezeichnungen für Qualitäten. Ich habe oben versucht, die Zuteilung entprechend vorzunehmen.

So; was kann ich euch noch über Rasierpinsel erzählen?

Die Dachse für die in der Rasierpinselproduktion verwendeten Haare werden grösstenteils in China gezüchtet. Da der Dachs als solches als recht missmutig bekannt ist, gibt er sein Fell nicht einfach so her. Er muss somit für die Herstellung eures Rasierpinsels sein Leben lassen. Ebenfalls die Schweineborste für die Rasierpinselherstellung stammen aus der Schlachtung, bzw. der Verwertung der Tiere. Erfreulich hingegen ist, dass die Pferde ihr Haar hergeben, ohne dass sie dafür geschlachtet werden müssen, obwohl man selbstverständlich auch das Haar von geschlachteten Pferden dazu verwendet. Ich mache mir da keine allzu rosarote Vorstellung. Das alles macht z.B. vegan lebende Menschen nicht glücklich. Für diesen Personenkreis gibt es die Synthetikpinsel.

Lebensdauer: Ein Rasierpinsel hält bei entsprechender Pflege mehrere Jahrzehnte. Ich besitze einen Dachshaarpinsel aus dem Kaufhaus, den ich mir ungefähr 1983 für kleines Geld gekauft habe, als die ersten Barthaare sprossen. Meine beiden Söhne haben sich, als sie noch klein waren, damit vergnügt und ihm mit der Schere übel mitgespielt. Er schäumt bei mir immer noch zwischendurch im Gnadenbrot die Rasierseife und er macht das immer noch richtig gut.

Preise: Da gibt es wirklich eine riesige Spanne. Von ein paar Euro bis ein paar hundert Euro ist alles zu haben, je nach verwendeter Haarqualität, Griffmaterial, Status der Marke, usw.

Unvollständige Auswahl von Herstellern:

Ich habe gelesen, dass für einen Rasierpinsel der oberen Mittelklasse mit einem Knotenmass (Durchmesser des Haarbesatzes) von 21mm ca. 14 Gramm Dachshaar notwendig sind. Ebenfalls gibt diese Seite Auskunft, dass ca. 1’000 einzelne Dachshaare ungefähr ein Gramm wiegen. Quelle.

3-Band vs. 2-Band: Der „normale“ Silberspitz Dachshaarpinsel ist ein sogenannter 3-Band Pinsel. Vom Griff her ist das Haar erst hell, dann dunkel und danach läuft es in die weissen Silberspitzen oder helleren Haarspitzen aus. Das Dunkle nennt sich „Spiegel“.

Der 2-Band oder two-band Rasierpinsel erscheint bereits aus dem Griff heraus dunkel, um dann direkt in die hellen Haarspitzen überzugehen. Dieses Dachshaar ist nicht dauernd verfügbar und somit kostbar. Hinzu kommt ein grosser Verlust bei der Sortierung, da die Haare länger sein müssen, als das normale 3-Band Haar. Das Haar der two-band Pinsel ist dicker und ergibt einen Rasierpinsel mit ordentlich Rückgrat, ohne jedoch zu pieksen, wie z.B. ein Graudachs- oder Reindachspinsel dies zuweilen tun.

Pflege: Wie pflegt Mann oder auch Frau den, vielleicht sogar teuren, Rasierpinsel denn nun richtig?
Nach der Rasur wird der Pinsel mit handwarmem Wasser und Rücksicht auf die Haare gut ausgewaschen. Ein- bis zweimal im Jahr zeigt sich ein Bad in Borax (Drogerie) an. Den Pinselgriff nach dem Waschen ganz fest in die Hand nehmen, dass er nicht aus der Hand rutschen kann (es zeigt sich hier an, die Hände und den Griff zuvor abzutrocknen). Dann aus dem Handgelenk den Pinsel gut ausschlagen, bis kein Wasser mehr rauskommt. Ich tue das stets in die Badewanne, so habe ich nicht das ganze Wasser im ganzen Bad verteilt und der Pinsel ist garantiert nur noch wenig feucht. Meine Pinsel lagern alle stehend mit Haarbesatz nach oben. Sofern darauf geachtet wird, dass kein Wasser mehr im Haarbesatz verblieben ist, kann auch nichts kaputt gehen. Noch ein Wort zu Seifenresten am Griffansatz. Diese müssen eigentlich beim Auswaschen weggehen. Nun gibt es aber Rasierseifen, die sind sehr anhänglich. Wenn sich also eine weisse Ablagerung beim Haaransatz bildet, dann kann man mit einer Hand die Haare umfassen und zusammendrücken. Danach mit der freien Hand und einem feuchten Tuch die Reste vorsichtig, ohne die Haare zu beschädigen, weg polieren. Diese Seifenreste sind i.d.R. für Haarbruch verantwortlich.

Braucht man einen zweiten Rasierpinsel? Nein, brauchen tut man ihn nicht. Aber je nach eurer genetischen Vorbelastung (Jäger & Sammler) oder sonstiger Präferenzen wird ein Rasierpinsel nicht lange allein bleiben. Ich oute mich hier einmal und gebe zu, dass ich mehr als zwei Dutzend Rasierpinsel besitze, die ich in Rotation benutze.
Der einzig plausible Grund dafür, dass ein Rasierpinsel nicht alleine bleiben sollte ist der, dass gerade bei dicken Pinseln mit Knotenmass ab 22mm das gänzliche Durchtrocknen einige Zeit in Anspruch nimmt. So ist es sicher positiv, dass abwechselnd verschiedene Rasierpinsel benutzt werden können, damit jeder wieder völlig durchtrocknen kann. Ihr könnt euch vorstellen, was mit einam Naturmaterial wie Haar geschieht, wenn es dauernd feucht bleibt. Genau – Bakterien und Algen werden sich auf ihm ansiedeln und das ist nicht schön. Also gehet hin und macht euch selber die Freude eines zweiten Rasierpinsels, wenn ihr einen Dachs habt, dann vielleicht einen 2-Band, oder eine Borste, oder…

2 Kommentare zu “Rasierpinsel – Einleitung

  1. marco galli sagt:

    Mann sollte einen guten Rasierpinsel öfter mit Shampoo, oder einen Duschgeel auswaschen.Probiere dies mal! Den Unterschied wirds Du beim trocknen merken.

    • nassrasieren sagt:

      Dabei muss jedoch drauf geachtet werden, dass man ein möglichst mildes Shampoo nimmt. Ich wasche meine Pinsel und ich hab viele, einmal im Jahr mit einer Lösung aus Wasser und Borax aus. Das entfernt die hatnäckigen Rückstände. Ansonsten wasche ich meine Pinsel nach jedem Gebrauch ser sorfältig mit klarem, warmem Wasser aus, bis keine Rasierseifenreste mehr im Pinsel sind. Spülmittel wird von einigen auch gern genommen.
      In Fachforen ist man sich auch nicht einig, was genau „das Beste“ sei. Von Da Vinci, der Firma, die kostpielige Kosmetik- und Rasierpinsel von guter Qualität herstellt, soll es eine spezielle Reinigungsseife geben.
      Jedem das Seine und jeder muss selber wissen, was für ihn stimmt.

      Wenn beim Pinsel plötzlich Haare beginnen abzubrechen, hat man etwas nicht oder falsch gemacht. Bis dahin gut darauf achten, dass am Übergang vom Haar zum Griff keine weissen Rückstände zurückbleiben.

      Auf jeden Fall hat Marco Galli mit dem was er sagt Recht. Ein Pinsel will gepflegt werden. Nach einer ausgiebigen Haarwäsche schäumt er dann zum Dank wieder wie verrückt die Rasierseife auf.

      Danke für den Hinweis.

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