Rasiermesser schärfen Teil 1

Ich schärfe seit kurzem meine Rasiermesser selber.

Eines vorne weg, ich komme mit dem Coticule nicht zurecht. Weder die Unicot, noch die Dilucot Methode wollten sich mir mit nur annähernd annehmbaren Resultaten erschliessen. So habe ich es anfänlgich wieder sein lassen – frustriert, wie ich anfügen möchte. Alle GBB Fans werden sich die Haare raufen und mich auslachen.

Da ein jeder Messerrasierer seine Messer aber zwischendurch schärfen muss, bzw. schärfen lassen muss und das auch unter Freunden seinen Preis hat, da je nach Klinge viel Zeit investiert werden muss, habe ich mir einen Satz Naniwa Super Stones schenken lassen.
Meine Frau hatte Erbarmen und hat sie mir letze Weihnacht geschenkt. Ein versierter Messerrasierer, der seine Rasiermesser quasi nach wissenschaftlichen Gesichtspunkten schärft, Zugang zu Mikroskopen und anderen technischen Anlagen hat, hat mir das Setup empfohlen, mit dem ich nun schärfe. Naniwa SS 1’000, 3’000, 5’000 und 10’000er.

Ich hatte auch die Chance, von Koraat Kento einen seiner Schiefer zu bekommen, aber zu diesem speziellen Stein später.

Eine kleine Materialliste vorneweg:

  • Tisch, der nass werden darf
  • Gummiunterlage oder rutschfeste Matte für Steine, die keine Sockel haben
  • Steinesetup
  • Starke Lupe
  • Sprühflasche mit Wasser
  • Haushaltpapier und Wischlappen
  • Tape, Klebeband, Isolierband, usw.
  • Schere oder Japanmesser

 Hier nun, wie ich schärfe:

Das zu schärfende Messer wird unter die Lupe genommen. Es wird nach Ausbrüchen gesucht und die Facette wird begutachtet. Mit einer starken Lupe können starke Kratzer in der Facette beurteilt werden.

Danach wird das Messer gereinigt, sollte das notwendig sein. Der Rücken der trockenen Klinge wird mit einer oder zwei Lagen Tape abgeklebt. Je nachdem, ob es sich um ein restaurationsbedürftiges Messer handelt, können sogar mehr Lagen aufgeklebt werden, vorallem, wenn man Ausbrüche ausschleifen muss. Sobald diese ausgeschliffen sind, muss die Facette mit einer oder zwei Lagen Tape gesetzt werden.

Wenn wir lediglich schärfen und wir annehmen, dass eine Lage Tape ausreicht, legen wir den Stein bereit und befeuchten ihn mit Wasser. Allenfalls muss er, je nach Aufbewahrungsort sorgfältig mit Wasser abgewaschen und gereinigt werden.

Wenn der Stein nass ist (der mit der niedrigsten Körnung zuerst) legen wir das abgeklebte Messer auf den Stein und schieben leicht in Richtung der Schneide. So wird die Facette erarbeitet und sobald die Klinge über die ganze Länge beginnt, am Arm Haare zu rasieren, kann der nächst feinere Stein genommen werden, um die Kratzer des 1’000ers zu elliminieren.

Es gilt hier die Regel: Was auf dem 1000er (oder 800er – je nachdem für welchen ihr euch entscheidet) nicht gemacht worden ist, kann auf den nächsten Steinen nicht mehr gemacht werden. Sobald auf dem niedrigsten Stein die Facette gemacht ist, wird auf den nächstfeineren nur noch die Arbeit des vorangegangenen Steins auspoliert. Das jedoch bringt extrem Schärfe an die Klinge.

Nachfolgend zwei Beispiele, die ich interessant finde und die ich empfehlen kann, da ich es, mit einer kleinen Abänderung hie und da, auch so mache. Letztlich muss jeder von euch, abhängig vom Setup und der zu bearbeitenden Klinge, selber herausfinden, wie er es für sich tun möchte. Schliesslich muss es für jeden von euch voll und ganz stimmen.

Lynn Abrams von SRP (Straight Razor Place)

Ich tue es ungefähr wie Lynn Abrams. Ich benutze jedoch beide Hände. Die eine führt die Klinge am Erl, die andere führt die Klinge am Kopf, nur um sicherzustellen, dass die Klinge auf der ganzen Länge des Rückens aufliegt und ich die Klinge auf dem Stein nicht verkante. Das ist mitunter das Wichtigste. Ob ihr auf den nächsthöherkörnigen, also härteren Steinen, die Klinge nur noch in X-Strokes führt oder auch wie Lynn Abrams Circle-Strokes ausführt, oder die Klinge halbmondförmig über den Stein bewegt, ist euch überlassen. Ich habe von einem Messermacher den Tipp erhalten, die Klinge halbmondförmig über den Stein zu schieben, weil das Schleif-/Schärfbild besser würde. Ich beherzige das und habe bisher gute Resultat erhalten. Der Messermacher meint, die kristalline Struktur des Stahls werde bei der halbmondförmigen Bewegung stärker berücksichtigt und das solle sich positiver auf die Schärfe und vor allem die Sanftheit der Schneide auswirken.

 

ewerstruly

Hier gefällt mir die Haltung mit zwei Händen und man sieht hier gut, dass er auch einen Bogen beschreibt, wenn er die Klinge über den Stein schiebt.

Es gibt also fast soviele Arten ein Rasiermesser zu schärfen, wie es Leute gibt, die das tun. Manche halten sich dogmatisch an die eine oder andere Art und Weise oder verdammen sogar die Art und Weise anderer.
Ich bin überzeugt, dass viele, ja sehr viele Strassen nach Rom führen und somit jeder von euch mit einem Satz Naniwas zu wunderbaren Ergebnissen kommen wird.

Der Schiefer von Koraat Kento

Was hat es nun mit dem sanftmachenden Schiefer auf sich, werdet ihr euch fragen.

Kurze Geschichte vorneweg. Ich war in Quebec und habe mir da in einem Aniquitätengeschäft ein schönes Rasiermesser gekauft. Es musste gereinigt und geschärft werden. So kam es, dass ich mich aufraffte, die Steine hervorholte und einfach einmal begann.

Das Messer war sehr scharf, aber ich vermisste ein wenig die Sanftheit, die ich an einigen meiner Messer sehr schätze. Ich tauschte mich auf einer Interessenplattform darüber aus und bereits kurze Zeit darauf erhielt ich von Koraat Kento den Ratschlag, seinen Schiefer, obwohl als 8’000er Körnung ausgewiesen, nach dem 10’000er Naniwa SS zu benutzen.
Ich solle den Schiefer nicht anreiben, sondern nur nass machen, danach die Klinge in X-Strokes ca. 10-15 Mal über die wolkige Seite schieben.

Diesen Ratschlag befolgte ich gewissenhaft bei meiner nächsten Schärfaktion und ich war wirklich platt. Nachdem ich dem Messer eine Facette in Spiegelpolitur auf dem 10’000er Naniwa spendiert hatte und die Haare am Arm nur so flogen, machte ich auf jeder Seite 10 Schübe auf dem schwarzen Schiefer, den ich seither liebevoll KÖB (Koraats Oesterreichischer Brocken) nenne.
Schon bereits beim Test an den Armhaaren empfand ich deutlich eine Zunahme von Schärfe. Die Haare wurde richtiggehend gepackt und ca. 8mm über der Haut gekappt. Danach im Gesicht war das Messer sehr scharf und aber wunderbar sanft. Genau, wie ich es mag.

Und wenn wir schon davon sprechen. Hier der Meister an der Arbeit. Koraat Kento.

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